Türkische Nacht
In fünf Jahren hat sich die Band Nim Sofyan ihren verdienten Platz in der europäischen World-Music erspielt. Als musikalische Brückenköpfe zum Balkan und zum Orient geben Nim Sofyan das richtungsweisende Beispiel einer geglückten stilistischen Bastardisierung. Dabei ist World-Music wörtlich zu nehmen, denn nicht nur verbinden sie musikalische Welten, sondern sind sie tatsächlich in der Welt zu Hause, wie ihre bejubelten Konzerte von Cambridge über Tunis, Istanbul und Damaskus bis New Dheli bezeugen.
Nach drei CDs und Tourneen auf drei Kontinenten haben Nim Sofyan ihren bewährten Stil auf ein neues Level gehoben. Das gelang ihnen nicht zuletzt per Erweiterung durch eine „Bläser-Sektion“, bestehend aus jazzerfahrenen Instrumentalisten, die der Improvisation mehr Platz einräumen und die melodiösen Finessen der Stammbesetzung mit einem noch volleren Sound erden.
Doch Gerald Selig an Saxophon, Klarinetten und Flöte, Johann Öttl an Trompete und Flügelhorn sowie E-Bassist Roland Mach rezipieren auch emsig jene ethnischen Musikformen, die Sänger/Gitarrist Alp Bora, Geiger Paul Dangl und Percussionist Daniel Klemmer seit Gründung der Band vorgeben. Zentrum ihres Repertoires ist nach wie vor die Musik des Vorderen Orients, wobei sie stets auch offen bleiben für Ausflüge in andere ethnische Traditionen. Mitreißende Instrumentals wechseln mit Alp Boras ohne Vorwarnung ins Herz greifenden Interpretationen mazedonischer, griechischer, anatolischer und armenischer Lieder ab.
In einer Zeit, wo „Balkan“ zum Etikett und oft auch zum Etikettenschwindel verkommen ist und nur noch mit schmetternder Blasmusik oder bemühten DJ-Beats assoziiert wird, überzeugen Nim Sofyan ihre wachsende und sich stets verjüngende Fangemeinde mit einer zeitlosen Alternative hierzu: hemmungslose Spielfreude, Spiel- und Bühnenwitz sowie die Verbindung von konzertantem Niveau mit Ekstase. Mit ihrer Gleichzeitigkeit von Drive, lyrischen Melodieflutungen und emotionaler Glaubwürdigkeit trotzen sie souverän dem Goliath der studiotechnologischen Massenware. Harte Akzente … weiches Fließen.
Dass Wien sich zum transnationalen Basar der musikalischen Ideen und Traditionen entwickelt hat,wie es einer Musikmetropole freilich gut ansteht, dazu leisteten und leisten Nim Sofyan ihren unverwechselbaren Beitrag. (R.Schuberth)
BAND
Alp Bora
Gesang, Gitarre
aus Ankara, Türkei, Gründer und Frontman der Band.
Studium der Gitarre in Ankara und Wien. Seinen gefühlvollen Liedvortrag hat er bereits verschiedenen orientalischen Folkbands wie Cifteteli, Pasaport etc. zur Verfügung gestellt.
Er zeichnet für das orientalisch-levantinische Repertoire von Nim Sofyan verantwortlich,
erschließt sich aber mit unerbittlicher Neugier die diversen Folkmusiken des Balkans und "Resteuropas" und präsentierte 2007 mit seiner CD „Amber“ ein vielbeachtets Solodebebüt.
Paul Dangl
Geige
aus Waidhofen a. d. Thaya (Niederösterreich);
machte sich zunächst als Geiger innovativer Folkbands wie Smoky Finish einen Namen.
Sein lyrisches und swingendes Spiel war ursprünglich an keltischer Musik geschult. Mit unermüdlichem Ehrgeiz erschließt sich der Waldviertler auch die Musik Südosteuropas sowie des Orients und erweitert durch sein Studium an der Musikuni Klagenfurt seine Fertigkeit als Jazz- und Swingviolinist.
Gerald Selig
Saxophon, Querflöte, Klarinette, Bassklarinette
aus Kirchberg an der Pielach (Niederösterreich); nach seinem Studium am Konservatorium der Stadt Wien und an der Musikuni Wien (u. a. bei Wolfgang Puschnig, Jim Odgren, Ronnie Cuber) festigte er seinen Ruf als gefragter Instrumentalist der österreichischen Jazz- und World-Szene (etwa mit Kadero Ray, Linley Marthe, Roots Vibration, Fuente Compas, Andy Lee Lang, Waldeck, Swing Time Big Band, Jazzwerkstatt, Thats Jazz Quartet). Bei seinem eigenem World-Trio "three to get ready” experimentierte er mit Piano und Didgeridoo.
Johann Öttl
Trompete, Flügelhorn
aus Zell am See (Salzburg), Trompeter seit dem 10. Lebensjahr. Nach einigen Jahren klassischer Ausbildung studierte er Jazz am "Konservatorium Klagenfurt" und sammelte Liverfahrung in diversen Jazzensembles (u. a. in der Kelag BIGband). Das lyrisch-melodiöse Improvisieren im Jazz stellt für ihn eine Leidenschaft dar, die er auch in der Balkanmusik verspürt.
Roland Mach
E-Bass
Aus Wien; studierte Jazz-Bass am Vienna- und am Gustav Mahler Konservatorium, beschäftigte sich auch intensiv mit Flamenco. Zusammenarbeit mit Martin Kelner, Antonis Vounelakos, Konrad Schrenk, Silvio Berger, Gerhard Reiter, Claudia K. u. v. a. Erdet die melodiösen Himmelflüge Nim Sofyans mit soliden Funkakzenten.
Daniel Klemmer
Darbuka, Cajon, Spoons, Udu etc.
halb Finne, halb Waldviertler; ist ein alter Hase der österreichischen World-Music. Er spielte u. a. bereits bei Dobrek Bistro, der Tschuschenkapelle, den Schmetterlingen, Sainkho Namtschylak, Martin Lubenov, Rockin' Janitor und bereichert die Liveauftritte Nim Sofyans nicht nur mit seinen Beats, sondern auch mit kabarettreifem Entertainment.